MOTIVE
Für die Vermessung des Wetters habe ich mich schon immer interessiert. Die bekannten Wetterstationen mit den drei Rundinstrumenten haben mich schon magisch angezogen, als ich mit den Begriffen „Luftdruck“ und „relative Luftfeuchtigkeit“ noch gar nichts anfangen konnte. Außerdem liebe ich die Natur und natürlich Bildschirme. Bald war es für mich ein Ziel, das Wetter und die Natur auf den Bildschirm zu bringen.
Das Pflanzenwachstum startet jedes Frühjahr aus einer braun-grauen Ödnis und kurze Zeit danach strotzt alles vor saftigem Grün. Mit freiem Auge betrachtet vollzieht sich der Wachstumsfortschritt unsichtbar. Zeitraffervideos sollen die Entwicklung der Vegetation sichtbarer machen.
Meine eigenkonstruierte „Wetterstation“ macht dafür alle 5 Minuten ein Bild von einem kleinen Biotop und misst bei dieser Gelegenheit Temperatur, Luftdruck und relative Luftfeuchtigkeit. Die Messdaten werden verglichen, bewertet und in das Bild geschrieben – zusätzlich werden sie in einer Datenbank gespeichert. Aus den gesammelten Bildern entstehen sodann Videos, die das „Geschehen“ im Zeitraffer zeigen.
BILDER
Was gibt es eigentlich zu sehen? Das Bild zeigt den immer gleichen Blick auf ein Biotop in Gaaden. Links unten sieht man die Temperatur, daneben die maximalen und minimalen Werte für Tag, Monat und Jahr. Der Ausschnitt
stammt vom 24. 12. 2018, 10 Uhr 55. Wir erkennen, dass es seit Mitternacht von 6.0° auf 1.7° abgekühlt hat und die aktuelle Temperatur 2.5° beträgt. Die höchste Temperatur im Dezember war bisher 10.8°. Die Jahresextremwerte 2018 waren 33.2° bzw. -18.6° und werden für den Rest des Jahres wohl kaum mehr übertroffen.
Rechts unten im Bild sieht man die Tagesextremwerte für den Luftdruck in Hektopascal (hPa) und daneben
den aktuellen Luftdruck, sowie einen Indikator für die Geschwindigkeit der Veränderung. Im Ausschnitt erkennt man, dass der Luftdruck sehr stark steigt. Ganz rechts steht noch der Wert für die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent (rF%).
Links oben kann ein „Ereignis“ eingeblendet werden. Dieses kann für einen Tag definiert werden. Hier im Ausschnitt lautet es „Heiliger Abend“.
Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit werden zusätzlich durch verschiedenfarbige Balken visualisiert. Im Beispiel erkennt man über der 0°-Markierung noch die beiden Indikatoren für die Temperaturextremwerte des Tages. Der Balken für die Temperatur wechselt überdies seine Farbe von dunkelviolett bis dunkelrot, der Balken für die Luftfeuchtigkeit auf der rechten Bildseite wird hingegen blauer je feuchter es ist.
Nur der Luftdruckbalken wird immer grau angezeigt – Luftdruck hat irgendwie keine zwingende Farbe.
Mit diesen Information ausgerüstet können wir nun einen Blick auf Youtube werfen. Zuvor aber noch ein Hinweis. Die Filme werden in HD-Qualität bzw. 1080p generiert. Youtube speichert die Filme in verschiedenen Qualitätsstufen und bietet – zumindest am PC – nicht automatisch die höchste Qualitätstufe an. Es empfiehlt sich daher, zuvor 1080p einzustellen. Dazu muss man, wie im Ausschnitt ersichtlich, auf das Einstellungssymbol (rechts unten) klicken und 1080p auswählen. Danach wird der Film in voller Auflösung abgespielt. Am Android-Tablet geht das überraschenderweise von alleine.
Mein Lieblingsvideo ist das Superzeitraffervideo des ganzen Jahres. Hier wird je Stunde ein Bild verwendet, d.h. eine Sekunde Film zeigt 24 (Tageslicht)stunden. Das Jahr rast dahin (in 3 min 5 sec) und dadurch sieht man, wie die Vegetation (ab Mitte April) förmlich aus dem Boden und dem Wasser schießt. Schnell erkennt man auch, wie lange Schnee liegt und ab wann der erste wieder kommt. Auch können Sonnentage zweifelsfrei identifiziert werden.
Ab Anfang Mai wird ein Schwamm erkennbar, der aus dem Baumstamm wächst (links unten über den Monatsextremwerten). Leider wird er kurze Zeit später durch Hagelschlag zerstört.
Außerdem gibt es auf Youtube die Monatsvideos (es wird mir ein Rätsel bleiben, wie die angezeigten Videos sortiert sind). Für diese werden sämtliche 5-Minuten-Fotos verwendet und eine Sekunde Film zeigt 2 Stunden Echtzeit (24 Bilder/sec). Die Videos sind etwas gemütlicher und man hat mehr Zeit, die Veränderungen zu beobachten. Fragen nach dem Wetter an bestimmten Tagen können hier besser erforscht werden. Auch ist mein Baumschwamm länger sichtbar.
Das explosisionsartige Wachstum der Vegetation (besonders ab Mitte April) kann jedenfalls auch mit diesen Videos gut beobachtet werden – es war, wie erwähnt, die Hauptmotivation für dieses Projekt.
Hier die Links zu den einzelnen Videos:
Jänner 2018
Februar 2018
März 2018
April 2018
Mai 2018
Juni 2018
Juli 2018
August 2018
September 2018
Oktober 2018
November 2018
Dezember 2018
Gesamtjahr 2018 Superzeitraffer
DATEN
Die Daten werden in einer Datenbank gespeichert und stehen für weitere Verwendung zur Verfügung. Am interessantesten sind dabei die Tageshöchst- und Tiefsttemperaturen. Man kann diese exportieren und z.B. für Microsoft Excel aufbereiten. Ich habe das gemacht und auf meinem Server zum Download bereitgestellt.
Die Excelmappe enthält Tabellen mit den Tages- und Monatsextremwerten sowie ein Diagram, das die Temperaturverläufe visualisiert. Positioniert man den Mauszeiger auf einem Punkt der Kurve wird der dazugehörige Wert mit Datum angezeigt. Alternativ sieht man in der Tabelle nach.

WÄRME
An immerhin 75 Tagen lag die Temperatur über 25°, in Summe sind das zweieinhalb Monate Sommertage. Das sind zwar nicht unbedingt Sonnentage, aber Poolbesitzer konnten sich über doch gut 2 Bademonate freuen. Tendenz wahrscheinlich steigend. Für einen Pool spricht auch, dass es um den Jahreshöchstwert am 9. August 13 Heiße Tage mit Temperaturen >= 30° gab. Einer dieser Tage war aber bereits am 21. Juni.
Bemerkenswert ist ferner der Umstand, dass 25° das erste Mal am 20. April erreicht wurden und das letzte Mal am 21. September. Dazwischen liegen 5 Monate. Auch ohne Vergleichswerte erscheint mir diese Wärmeperiode für Gaadener Verhältnisse lang.
An 51 Tagen lag die (nächtliche) Tiefsttemperatur nicht unter 15°. Im Fachjargon werden diese Tage auch Weicheiergastgartentage genannt. Andererseits mussten wir 2018 keine einzige Tropennacht mit Tieftstemperaturen über 20° erleiden, wenn auch nur knapp.
KÄLTE
Richtig kalt war es am 1. März mit -18,6° – aber nur an diesem Tag. Und weniger als -10° Höchsttemperatur wurden nur an 5 Tagen ab dem 25. Februar verzeichnet.
Kältefanatiker konnten sich über immerhin 90 Frosttage inklusive 26 Eistage freuen, mit der niedrigsten Höchsttemperatur von -8,6° am 28. Februar. Das heißt umgekehrt, dass es 9 Monate in Gaaden nicht friert. Wie viele Eistage vertragen eigentlich Olivenbäume?
Möchte man eigene Messungen mit meinen Daten vergleichen, so findet man auf meinem Server das aktuelle Bild – dieses ist mir auch sonst bereits ans Herz gewachsen.
WETTERSTATION
Zum Abschluss möchte ich noch einen Blick auf die „Wetterstation“ werfen. Eine genormte Wetterstation misst zwar weitere Daten wie Wind, Sonnenstand und Niederschlag, ist aber wesentlich teurer und liefert üblicherweise keine Bilder. Der Bau meiner Station ist im Grunde ganz einfach. Man benötigt zuerst einen Plan. Der Plan A reicht völlig, ein Plan B ist nicht erforderlich.

Ferner braucht man einen Raspberry Pi mit Kameramodul, drei Sensoren, eine kleine Lochrasterplatine, ein Netzteil, ein paar isolierte Drähte, etwas Lötzinn, Holz, Farbe und Schrauben. Die Sensoren liefert der Chinese des Vertrauens bei AliExpress.
Die Zutaten müssen nur noch geeignet zusammengesetzt werden und das Ergebnis sieht sodann wie hier aus.

Der schwierigste Teil ist freilich die Montage des fertigen Gehäuses. Für den Betrieb wird eine Stromquelle benötigt. Zusätzlich darf der Temperatursensor nicht in der Nähe von beheizten Gebäuden liegen und auch nicht der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein, er muss sich also im Schatten befinden. Nicht zuletzt muss das Gerät im WLAN-Empfangsbereich liegen.
Meine Konstruktion ist erstaunlich betriebssicher und ist trotz großer Temperaturunterschiede bis zu 52° Außentemperatur nur bei Stromabschaltungen nicht gelaufen. Positiv war auch die Stromversorgung in Gaaden. Der Strom ist 2018 nämlich nur einmal und zwar am 7. 9. 2018 von 22:25 bis 0:40 ausgefallen. Das behauptet jedenfalls mein Logfile.
ENDE